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Der politische Kommentar: - vom 29.September 2010:

Christian Kraus sagte: dc:creator>Christian Kraus</dc:creator>
<pubDate>Wed, 29 Sep 2010 09:25:17 +0000</pubDate>
<guid isPermaLink="false">http://blog.campact.de/?p=3500#comment-559</guid>

Leider hat es sich in der letzten Zeit herauskristallisiert: Diese Regierung hat nicht das Rückrat zu Ihren (Wahl-)Versprechungen zu stehen. Vor jeder Hürde ist sie eingeknickt-vor der Lobby des Großkapitals (sprich:Großbanken)-vor der Abschaltung der AKWs-sprich: die Energiekonzerne-vor der Koalitionspartei:sprich FDP, die als Zünglein auf der Waage ihre teils mehr als abwegigen Theorien auf Teufel komm raus durchsetzen wollen und müssen-da sie ja die Partei der Großverdiener u.der Industrie ist:Dazu gehört auch die Mwst.-Senkung beim Hotelgewerbe.Allsammt ziehen jetzt auf die H4-Empfänger und wollen alle auf dem Rücken der Bedürftigen sparen, uns Niedriglöhne schmackhaft machen u. die Rentenversicherung ausbluten lassen! Alles ohne nachzudenken und so die “Büchse der Pandora” öffnen-welche sie schon mit jeder Aktion mehr oder minder angebohrt haben….Diese Regierung sofort stoppen-ist “Flasche leer”-würde ein prominenter Fußballtrainer sagen!



Christian Kraus sagte: 

Braunkohle-Kraftwerke sind ein Energieträger, der vorhanden ist u.im Tagebau abgebaut wird! Seit Jahrzehnten wird die Braunkohle verstromt und durch das Verbrennen wird die Umwelt stark geschädigt-genau wie die Landschaft ! Obwohl im Verhältnis die Technologie zum Atomstrom “sicher” ist-belasten die alten Braunkohlekraftwerke stark die Atmosphäre und damit wird auch der Treibhauseffekt nicht zurückgefahren…also müßten diese Dreckschleudern sofort saniert werden-um aus der Braunkohle möglichst sauber Energie zu gewinnen.Aber lieber wird mit Emmisionszertifikaten gehandelt und die Umwelt weiterhin stark belastet. Auch hier: Ein Umdenken- auf alternative Energien- wäre längst überfällig, nur wenns viel kostet, wirds verschoben….
Atomstrom ist m.E. die teuerste und unsicherste Energieerzeugung! Beschaffung,Transport,Anreicherung und Zwischen-/Endlagerung sind immens teuer-zumal es bis dato ja nicht einmal ein sicheres Zwischenlager gibt. Ein Endlager wird wohl in den nächsten Jahren für den Atommüll nicht zur Verfügung stehen!





Der Petitionstext lautet:

"Sehr geehrter Herr Bundespräsident Wulff,


um längere AKW-Laufzeiten durchzusetzen, will die Bundesregierung das Atomgesetz ohne Zustimmung des Bundesrats ändern. Viele renommierte Verfassungsrechtler sehen darin einen Verstoß gegen unser Grundgesetz. Mehrere Bundesländer wollen daher vor dem Bundesverfassungsgericht klagen.

Auch Sie vertraten als Ministerpräsident die Auffassung, dass die Laufzeiten nicht ohne Zustimmung des Bundesrats verlängert werden dürfen. Ich fordere Sie auf: Beteiligen Sie sich nicht an einem kalkulierten Verfassungsbruch! Unterschreiben Sie das Atomgesetz nicht, bis die Karlsruher Richter geurteilt haben." 

Mit freundlichen Grüßen


Christian Kraus, Nonnerstr. 12, 83435 Bad Reichenhall, Handelsfachwirt/Kaufmann, bgl_pfadfinder@arcor.de
 

„Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet ihr merken, dass man Geld nicht essen kann.“

 



 


 


Kommentar-e-mail v.CPD Bremen v.18.8.09 Stamm ".Götz v.Berlichingen":

Hallo Christian,

danke für deine Glückwünsche. Leider war ich während deiner ersten beiden Einträge im Urlaub und habe es danach vergessen.
Eure Internetseite ist recht spannend gestaltet und ich hoffe, dass wir mal das vergnügen haben werden euch zu besuchen.

Gut Pfad und Gottes Segen
Marc Jantzen

Hinweis v.Gast (ohne Namensnennung) Bildüberschrift : Richtig: 1952 müsste es BDP heissen - nicht BdP- wurde bereits richtiggestellt- danke für deinen- leider anonymen Hinweis lt.deiner e-mail v.6.8.09  ck. (Vermerk  Admin: künftig werden keine anonymen Zuschriften veröffentlicht-diese eine hier nur zum Beispiel! Anonymus entspricht nicht der Pfadfindergesinnung!)  ck.


Gast Geschrieben von: Gast Manni/DPSG am 30.07.2009 - 23:30 #3
Servus Christian-ich bin ja nicht beim BdP,aber soviel ich weis,hat der BdP nur ca.30tsd Mitglieder und das bundesweit! wenn schon nur alle 4 Jahre ein Bundeslager dann sollte das auch werblich durch die Medien (insbesondere natürlich TV)groß herauskommen! Das wäre d i e Werbung für uns Pfadfinder schlechthin!Danke für die mutige Aufnahme dieses Themas! Grüsse aus Berlin!

Gast Geschrieben von: Gast Bernhard P. am 28.07.2009 - 18:29 #2
Tagchen,habe grad in der Homg. nachgeguckt-muß schon sagen,das mir doch alles gefällt. Im übrigen bin ich der Meinung, der interwall d.Bula sollte kürzer sein-meinetwegen jed.Jahr!!!Bin auch voll der Ansicht: der Medienaufwand sollte größer sein- hier in Gelsenkirchen hört man garnichts.. na dann gut pfad Bernhard bäh

Gast Geschrieben von: Gast Tanja am 29.07.2009 - 00:27 #4
Hallooo-konnt nicht schlafen u.bin wieder mal bei PT gelandet.Habe mir die hp vom Christain angeschaut-muß aber morgen dort weitermachen. Lohnt sich dort reinzuschauen /finde ichTanja Guts Nächtle glücklich glücklich Bin übrigends aus Kempten
 
Gast Geschrieben von: GastSiegi am 28.07.2009 - 22:55 #3
Hallo,Christian-lese mich oft durch den PT u.die HP hat mich interessiert, den Kommentar von dir fand ich ausgesprochen zutreffend! sind wir Pfadfinder-( u.Pfadfinderinnen) in der Öffentlichkeit eher belächelt..........wir-meine Mutter u.ich- haben die Homepage schon ein paar mal angeschaut...werden auch andere Pfadfinder drauf aufmerksam machen! Einstweilen von mir schöne Grüße aus Kleve /Niederrhein u.gut Pfad..Siegrid

Gast Geschrieben von: Gast GFM Günther am 26.07.2009 - 23:31 #1
Bin alter BdP-ler, habe mir deine HP angeschaut.Tja-so ist das mit den grossen Lagern,bei dem Abstand muß ja ein Pfadi direkt glück haben um an sonem Lager mitzumachen.Außerdem hat mir die HP recht gut gefallen mein ok!!! Habe Dir auch per mail infos und meinung zugeschickt! Bleiben wir in verbindung!?Günther

 




Bundeslager des BdP in der Pfalz 2009- nun ist es wieder soweit.Im olympischen Turnus alle vier (!) Jahre wird dieses medienträchtige Großspektakel inniziert! Viel Aufwand und doch eine vergleichsweise mäßige  Öffentlichkeitsarbeit(warum nicht bundesweit?) So hat das Bula, bei welchem über 5000 Pfadfinder erwartet werden-den Charakter eines besseren Landeslager..... Haben wir kein bundesweites Fernsehen, Radio und überregianale Presse, die ein solches Großereignis besser an die Allgemeinheit heranbringen? Es soll doch nach außen hin doch eine Werbung für den BdP sein..... meine Meinung:alle zwei Jahre müsste ein Bundeslager stattfinden und jeweils ein Landesverband, wo das Lager dann stattfindet,soll die Ausrichtung  übernehmen (zusammen mit dem Bundesvorstand versteht sich!) Somit wäre auch immer ein neuer Standort in ganz Deutschland gegeben.Das wäre doch ein Thema für die nächste Bundesversammlung. Was meint Ihr ? 24-7-09  chrisKra

Abschließendes Fazit: Über 4000 Pfadfinder -leider pressemäßig nur Regional! Bundesweite Presse/Öffentlichkeitsarbeit leider kein Erfolg! Trotzdem ein Thema für die nächste Bundesversammlung!  ck.


Laufendes Thema:siehe dazu auch PT-Forum:Thema:Wann kommt ein Weltjamboree nach Deutschland? Sind sich die großen Bundesverbände darüber nicht einig? Müssen wir uns von Ländern wie Chile, Holland oder jetzt Schweden was vormachen lassen? Sind wir deutschen Pfadfinder/innen nicht in der Lage- so ein weltumspannendes Großlager  zu veranstalten? Können wir nicht den überregionalen Werbeeffekt gebrauchen? Sind wir wirklich eine "Pfadfindernation"? Fragen über Fragen- stellt Euch in den Foren zu einer Aussprache zu Verfügung! Gebt mir Eure Meinung per e-mail bekannt! Schreibt an Eure Bundesverbände: Wir wollen baldmöglichst in D ein Weltjamboree! Wir können uns es einfach nicht leisten weiterhin an 13.Stelle der WOSM - Mitgliederliste zu stehen! Also-tun wir was dafür: Jeder hat die Pflicht neue Mitglieder für seinen Stamm,Aufbaugruppe oder Siedlung zu werben! Auch die Verbände-die nicht dem WOSM angehören- müssen für die Zukunft stark und leistungsfähig sein- das kann man nur mit neuen, begeisterungsfähigen Mitglieder! Pfadfinder aller Verbände und Stämme:verbündet und vereinigt Euch! Schreibt mir und ich hoffe auf Eure Mitarbeit und Solidarität! Gut Pfad! Kris

siehe auch: DPSG-Forum,Neuss, DPSG-Forum DV Freiburg, Forum Pfadfinder-Treff (PT) überbündisch + Forum DPBM sowie auf zahlreichen HP-Seiten  u. Foren verschiedener Stämme, Horste, Bezirke und Bünde! Ausführlich in:Scout-o-Wiki ,Thema:"Welt-Jamboree in Deutschland" ck.
Im Scout-o-Wiki sind außerdem zahlreiche Publikationen veröffentlich, z.B. ein gemeinsames (!) Bundesgroßlager der RdP in Deutschland-was bis heute -leider- noch nicht stattgefunden hat! Dabei wäre es organisatorisch ein leichtes, statt des verbandseigenen Bundeslager z.B.alle 4 Jahre ein wirkliches, verbandsübergreifendes Bundeslager auszurichten -wäre für die einzelnen Verbände in der Summe auch nicht mehr Aufwand! (eher Arbeitsersparnis und vor allem weniger teuer...)
Deutsches Pfadfinder-Bundeslager des RdP mit den Unterlagern: DPSG,VCP,BdP,PSG und VDAPG sowie:alle anderen Pfadfinderbünde (!) die bereit sind mitzumachen -das wäre mein Ziel-lasst es uns verwirklichen!   Gut Pfad! Kris

...wußtest Du schon: Eine der größten Mitgliederzeitungen in Deutschland ist die VDK-Zeitung-
Auflage:ca.1,3 Millionen Exemplare.Erscheint monatlich-
auch interessant: Leserkommentare u.Sozialkommentare auch hier in Verbindung mit div.Internetplattformen von" ck."...werde auch Du Mitglied beim VDK!

1. Münchner Pfadfinderzug

Zu Beginn des Schuljahres 1909/10 bitten Schüler des „Alten Realgymnasiums“ in München (heute Oskar-von-Miller-Gymnasium) ihren Lehrer Franz Paul Wimmer (22.02.1878 – 12.05.1966), mit ihnen gemäß Lions Buch Pfadfinden zu beginnen. Sie treffen sich ab Samstag, 25. 09. 1909. Es ist die nachweislich erste Pfadfindergruppe in Deutschland. Ostern 1910 wird sie geteilt und erhält dabei den Namen „1. Münchner Pfadfinderzug“ (1. MPZ).

Von 1911 bis 1919 ist der 1. MPZ, durch die damaligen politischen Verhältnisse bedingt, Mitglied im allgemeinen „bürgerlich-patriotischen“ Dachverband „Bayerischer Wehrkraftverein“. 1919 tritt er wieder aus und ist aktiv an der Gründung des neuen Bayerischen Pfadfinderbundes (BPB) beteiligt. Vom 01.bis 03. August 1919 nehmen Mitglieder des 1. MPZ am reformerischen 1. Pfadfindertag auf Schloss Prunn im Altmühltal teil. Am 31.12.1932 tritt der 1.MPZ als „Stamm Feuerkatzen“ der republiktreuen und international arbeitenden „Reichsschaft Deutscher Pfadfinder“ bei.

Am 01.09.1933 wird er als „Fähnlein Feuerkatzen“ dem NS-Jungvolk geschlossen eingegliedert, kann aber bis Sommer 1934 seine Pfadfinderabzeichen tragen und sich sein Pfadfindertum bis 1945 deutlich bewahren. Kriegsbedingt zerfällt der 1. MPZ im Frühjahr 1945. Im April 1945 initiieren und führen Mitglieder des 1. MPZ den Widerstand „Freiheitsaktion Bayern“. Von 1959 bis 2000 trifft sich der 1. MPZ jährlich. Er bringt eine Reihe bekannter Persönlichkeiten hervor.
 



Dr.Alexander Lion

Robert Baden-Powell (22.02.1857 – 08.01.1941), englischer Kavallerieoffizier, erprobt seine neuen Erziehungsideen vom 01.08.1907 bis 09.08.1907 mit 22Jungen im „Experimental Camp“ auf Brownsea Island vor Poole an der englischen Südküste und verarbeitet seine Erfahrung danach in dem Buch „Scouting for Boys“. Ab dem 15.01.1908 erscheint „Scouting for Boys“ in England 6 x kapitelweise 14-tägig in einer Zeitung, im Mai 1908 dann auch zusammengefasst als Buch. Es ist ein Bestseller.
 



 

Dr. Alexander Lion (15.12.1870 – 03.02.1962), kgl. bayerischer Sanitätsoffizier, liest am 17.03.1908 in der Times von „Scouting for Boys“ und besorgt sich ein Exemplar. Er nimmt brieflichen Kontakt mit Baden-Powell auf und erhält im August 1908 die Rechte für die deutsche Übersetzung von „Scouting for Boys“ von Baden-Powell für 203.- RM bzw. 10.- £.

Im Herbst fährt Lion nach London, trifft Baden-Powell mehrfach und bekommt die Pfadfinderlilie von ihm verliehen. Danach beginnt er mit der Übertragung von „Scouting for Boys“ auf die deutschen Verhältnisse.

Im November 1908 prägt Lion nach langen Diskussionen den Begriff „Pfadfinder“ als die deutsche Übersetzung von „Boy Scout“, in Anlehnung an die Lederstrumpfromane von James Fenimore Cooper.

Im Mai 1909 erscheint Lions „Das Pfadfinderbuch“ im „Verlag der ärztlichen Rundschau“ von Otto Gmelin in München, dessen medizinischer Hausautor Lion ist, in einer Auflage von 5.000 Exemplaren. Es ist sofort ein Bestseller mit mehreren dem sich schnell wandelnden Zeitgeist immer wieder angepassten Neuauflagen bis 1917.

 
 Liebe "Alt-Reichenhaller" Pfadfinderinnen und Pfadfinder,

die Festtage und den Jahreswechsel habt Ihr hoffentlich gut überstanden. Trotz des fortgeschrittenen Jahres wünsche ich Euch allen nachträglich ein angenehmes und gesundes Jahr 2010.
Den Anlass meines Rundschreibens habt Ihr sicher schon erraten: In einem Vierteljahr wollen wir unser jährliches "Jamboree" abhalten. Bitte findet Euch möglichst zahlreich ein!
Datum: Samstag, 24.04.2010
Zeit: ab 11.30 Uhr
Ort: "Niederalm", Nonner Oberland

Für den Nachmittag ist die Besichtigung der Quellfassungen am Listsee geplant. Die Führung übernimmt ein kompetenter Mitarbeiter der Reichenhaller Stadtwerke. Diesen Programmpunkt hat Axel Kapfer eingefädelt.
Das alte Stammesbanner des BDP wird diesmal zu besichtigen sein, weil es uns für ein paar Tage vom Landesarchiv des BdP überlassen wird. Danke, Quax!
Vorab noch eine Information für ein weiteres Treffen im Herbst: Am 02./03.10.2010 planen wir ein gemeinsames Wochenende im "Obermaierhof" (Begegnungsstätte des BdP) bei Waldkraiburg. Mehr darüber erfahrt Ihr auf der "Niederalm".

Mit einem herzlichen "Gut Pfad!" verabschiedet sich für heute

Rudi




 Zur Zeit lese ich ein amüsantes Buch mit dem Titel "Eine badische Kindheit" (Bruno Steidle), aus dem ich Euch zwei Passagen zitieren möchte:

"Pfadfinder waren eine ideologisch aufgestellte, durchorganisierte Truppe mit klar formuliertem Auftrag in bekanntlich "heilloser Zeit". In aufrechter Haltung standen diese Jungs unter breitkrempigem Hut, mit Halstuch und Knoten über breitgeschwellter Brust, den Bauch eingezogen hinter gewichtiger Gürtelschnalle und einem gardemäßigen Begrüßungsritual. Als ich später dazu gehörte (nach Kurs, efolgreicher Prüfung und feierlicher Aufnahme in Freiburg, von Neustadt durchs Höllental runter und wieder rauf, alles mit dem Fahrrad) ..."

"Unsere Frankreichfahrt im Sommer 1954 ... durchs Massif Central nach Lyon, die Rhône runter ans Mittelmeer: Von Marseilles, Cannes, Nizza, Monte Carlo, Genua, Mailand, über den Gotthard und Konstanz zurück nach Rohrdorf. Gute vier Wochen lang. Die 100-Kilometer-Marke entschied über die Zeltplatzsuche. Eine Dose Ölsardinen geteilt durch zwei war die Hauptmahlzeit. Ein Schleckeis dann und wann? Denkste! Dann hast du nichts vom Pfadfindertum verstanden...."
 
 



 




 
 

Die Teilnehmer in Gottsdorf 




 

100 Jahre Pfadfinder in Bayern

Ein Gottsdorfer war Deutschlands Pfadfinder-Pionier

Seit 100 Jahren gibt es hierzulande Pfadfinder - Jubiläumsfeier und Gedenken an Professor Franz Paul Wimmer - 1909 erste Gruppe gegründet


Von Norbert Pree

Gottsdorf. Vor 100 Jahren, im September 1909, hat der gebürtige Gottsdorfer Professor Franz Paul Wimmer am Alten Münchner Realgymnasium die erste deutsche Pfadfindergruppe gegründet. Diesen Anlass hat der Ring deutscher Pfadfinder in Bayern (RdP) zusammen mit den Untergriesbacher Pfadfindern sowie Gemeinde und Pfarrei in Gottsdorf gefeiert.
Im Rahmen dieser Feier wurde die neu renovierte Grabstätte mit einem Gedenkstein versehen und feierlich eingeweiht.
Professor Franz Paul Wimmer war Lehrer für Naturwissenschaften am alten Münchner Realgymnasium gewesen sowie Erfinder verschiedener optischer Geräte (zum Beispiel des Tageslichtprojektors). Geboren wurde er 1878 in Gottsdorf. Er war Pfadfinder bis zum Tod im Jahre 1966.

Enkel war aus Venezuela angereist

Dr. Oliver Leffler vom Ring Deutscher Pfadfinder in Bayern erinnerte eingangs der Feier an die Entstehung des ersten Münchner Pfadfinderzuges zu Beginn des Schuljahres 1909/1910. Schüler am „Alten Realgymnasium“ in München hatten sich am 25. September 1909 mit Professor Wimmer getroffen. Die erste deutsche Pfadfindergruppe war gegründet.

Die Vorsitzende der Untergriesbacher Pfadfinder Juliane Baierl hatte die Feier eröffnet. Mit dabei war neben den vielen Pfadfinderinnen und Pfadfindern auch aus dem Münchner Bereich, Dr. Carolus Wimmer, Enkel des Pfadfindergründers Franz Paul Wimmer. Dr. Carolus Wimmer ist Vizepräsident des Staatenbündnisses Lateinamerikanische Union und war mit seinem Sohn Daniel extra aus Venezuela angereist.

Stellvertretender Landrat Josef Federhofer würdigte seitens des Landkreises den Einsatz der Pfadfinder und verlas ein Grußwort des Ministerpräsidenten Horst Seehofer. Dieser lobte den Einsatz der Pfadfinder im Sozialbereich, bei Naturerfahrung und sympathischen Formen von Gruppendynamik und Zusammenhalt. Pfadfinder seien aktiv im Umweltschutz, im Einsatz für ihre Mitmenschen und vor allem im Engagement für einander. Sie übten sich, Verantwortung für sich selbst wie für andere zu tragen, sich selbst und andere weiterzubilden und zu erziehen.

Bürgermeister Hermann Duschl bezeichnete die Pfadfinderschaft als engagierten Baustein im gesellschaftlichen Gefüge des Marktes Untergriesbach.

Nach dem Empfang zogen die Pfadfinder mit ihren Fahnen, begleitet von den Gästen, zur Gottsdorfer Pfarrkirche St. Jakobus. Dort wurde der Gedenkgottesdienst für Franz Paul Wimmer gefeiert. Der Pfadfindergründer in Untergriesbach, Günter Maier, begleitete auf der Gitarre. Pfarrer Erwin Blechinger verwies in seiner Predigt auf den Egoismus in der Gesellschaft. Diese „Ich-Gier“ gelte es zu bezwingen. Er zitierte Pfadfindergründer Baden-Powell: „Das Glück findet man darin, dass der Andere glücklich wird.“

Das Glück, andere glücklich zu machen

Nach dem Gottesdienst segnete Pfarrer Blechinger die neue Gedenktafel am Grabe des Pfadfindergründers Wimmer, wobei alle Pfadfinderfahnen sich zur Ehrenwache aufstellten.

Quelle: Passauer Neue Presse




 
 

Segnung der Gedenktafel Bild: Erwin Blechinger




 

Text des Gottesdienstes

Statio:

Lasst uns beginnen – miteinander verbunden im Glauben an den,
in dessen Namen wir uns nun versammelt haben,
im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

Der Herr sei mit euch.

Liebe Pfadfinderinnen und Pfadfinder,
liebe Gäste aus Nah und Fern,
liebe Schwestern und Brüder alle.

Mit der heutigen Feier knüpfen wir Pfadfinder erneut an unsere Vergangenheit, an die Geschichte der Entstehung unserer Bewegung an.

Vor 102 Jahren, am Morgen des 1. August 1907, stieß Pfadfindergründer Robert Baden Powell auf der Insel Brownsea pünktlich um 8.00 Uhr in sein Kudu-Horn, um das erste Pfadfinderlager der Welt feierlich zu eröffnen.
2007 haben wir Pfadfinder weltweit den Geburtstag unserer Bewegung mit zahlreichen Events gefeiert.

Vor 100 Jahren, 1909, gründete Franz Paul Wimmer, den ersten deutschen Pfadfinderzug in München.

Dieser Anlass führt uns heute an sein Grab, an dem wir ihm zu Ehren als Ausdruck unserer Dankbarkeit und Anerkennung seiner Verdienste um die Förderung der Pfadfinderbewegung und der Verbreitung ihrer Idee ein kleines Denkmal errichten dürfen.

Als Pfadfinder eint uns das Wissen um unsere Verantwortung gegenüber uns selbst, gegenüber unsere Mitmenschen, und gegenüber Gott.

Ihn wollen wir nun loben, ihm das Leben unserer Verstorbenen anvertrauen, ihn um seinen Segen für unsere Bewegung und uns alle bitten.


Kyrie:

Herr, du schenkst uns feine Fäden, mit denen wir unser Leben weiterknüpfen können. Doch oft ergreifen wir sie nicht oder nehmen gar nicht wahr, welche Lebenschancen du uns anbietest.
Herr Jesus Christus, wir bitten dich um dein Erbarmen.

V. Herr, erbarme dich. A. Herr, erbarme dich.

Oft zerschneiden wir die Fäden zum anderen. Wir sehen nicht das, was uns verbindet, sondern eher das, was uns trennt.
Herr Jesus Christus, wir bitten dich um dein Erbarmen.

V. Christus, erbarme dich. A. Christus, erbarme dich.

Oft kümmern wir uns nicht genug um die Verbindung zu dir, weil uns andere Dinge wichtiger sind. Wir sind orientierungslos, wenn du nicht der rote Faden in unserem Leben bist.
Herr Jesus Christus, wir bitten dich um dein Erbarmen.

V. Herr, erbarme dich. A. Herr, erbarme dich.

Vergebungsbitte

Liebe Brüder und Schwestern.

Beim Bau eines Bannermastes, beim Abspannen der Zelte,
beim Binden eines Lagerkreuzes oder beim Aufhängen eines Müllbeutels in der Lagerküche , zum Sichern beim Klettern, beim Knüpfen von (Friedens-) Netzen, beim Verbinden zweier Seile miteinander, beim Annähen eines Knopfes, beim Binden der Schuhe … brauchen wir sie: die Knoten.

Knoten geben Halt, sichern ab, halten Spannung aus, verbinden, tragen Lasten.

Zum Leben eines Pfadfinders gehört es, dass man Knoten beherrscht und Seile somit fachgerecht knüpfen kann.

1975 hat Peter Janssens das Lied „Friedensnetz“, das wir nachher gleich singen werden“ mit einer eingängigen Melodie verfasst: „Jeder knüpft am eignen Netz, versucht rauszuholen, was zu holen ist“

Janssen stellt aber dem immer wieder erlebbaren Egoismus eine Alternative gegenüber: „Wir knüpfen aufeinander zu, wir knüpfen aneinander an, wir knüpfen miteinander, Shalom, ein Friedensnetz“

Der Ichgier und Ichzentriertheit tritt hier Gemeinschaft, gegenseitige Verantwortung, Sorge um das Wohl des Ganzen und damit auch das Wohl des und der anderen entgegen!

Unvergessen bleibt B.P.s Wort:

„Das eigentliche Glück aber findet Ihr darin, dass Ihr andere glücklich macht. Versucht, die Welt, jede Begegnung und jeden Ort ein bisschen besser zu verlassen als Ihr sie vorgefunden habt.“

Franz Paul Wimmer war nicht nur Naturwissenschaftler, sondern auch Pädagoge. In der Ansprache zu seiner Beerdigung am 14. Mai 1966 heißt es:

„44 Jahre hatte er all sein reiches Wissen und unermüdliches Forschen den jungen Menschen geschenkt. Und er hat sein Lehramt nicht erschöpft in der Vermittlung von Wissen. Höher stand ihm noch die Formung zu wahrer Weisheit und wirklicher Tüchtigkeit. Ein gesunder Geist soll herrschen in einem gesunden Leib. Diese ideale Gesinnung musste ihn zum besten Begründer und Förderer der Pfadfinderbewegung Münchens hinführen, der er zeitlebens verbunden blieb.“

Fürbitten:

Guter Gott,
Knoten schaffen eine Verbindung zwischen zwei Seilen.
Wir bitten dich:
Schenke uns den Mut und die Bereitschaft, selber Knoten zu sein, um Verbindungen zwischen Menschen zu knüpfen.

Guter Gott,
Knoten können enorme Belastungen aushalten.
Wir bitten dich:
Lass uns immer wieder deine Nähe erkennen und spüren, um im Vertrauen auf dich Knoten zu sein, die den Anforderungen und Belastungen des Alltags standhalten können.

Guter Gott,
Knoten sind ausschlaggebend dafür, dass Konstruktionen und Bauten, besonders im Lager, den entsprechenden Halt bekommen.
Wir bitten dich:
Schenke uns die Kraft, selber Knoten zu sein, der im Zusammenleben anderen Halt und Sicherheit geben kann.

Guter Gott,
Es gibt unterschiedliche Knoten, die je nach Anforderung bestimmte Eigenschaften erfüllen.
Wir bitten dich: Lass uns erkennen, über welche speziellen Eigenschaften wir verfügen und hilf uns, sie sinnvoll und gezielt für eine friedlichere und gerechtere Welt einzusetzen.

Guter Gott,
mit diesem Gottesdienst knüpfen wir an die Vergangenheit an. Wir denken an die Verbreitung der pfadfinderischen Idee und die Gründung des 1. Pfadfinderzuges in München durch Franz Paul Wimmer.
Wir bitten dich: Schenke Ihm und allen verstorbenen Pfadfindern die Seligkeit bei dir.
 




 


 


Pädagogische Ziele und Ansätze des BDP in den sechziger Jahren

von Jochen Senft
 

Vorbemerkung

 

Das Thema beschränke ich auf etwa 13 Ziele und Ansätze, des BDP, die ich selbst oder zusammen mit anderen vertreten habe und sage, woher die Impulse kamen. Der Vortrag bezieht sich auf schriftliche Quellen und auf meine persönliche Erinnerung. Einiges davon ist schriftlich nicht bekannt geworden. Ich bemühe mich, die Dinge nicht aus heutiger Sicht darzustellen und bin mir der Schwierigkeit bewußt. Das Referat ist nicht systematisch aufgebaut, weil jede Systematik im menschlichen Bereich schematisch und damit falsch wird. In der Erziehung laufen Prozesse ab, die sich nur prozessual beschreiben lassen. Meine heutige Sicht ist dem Buch "Unser Gedächtnis und sein Training" zu entnehmen (erschienen im Selbstverlag) und dem Aufsatz "Der vergessene Nächste". War ich damals schon skeptisch gegenüber deutscher Pädagogik, so ist meine Skepsis angesichts des Zustandes der Schulen und aufgrund meiner Kenntnis von Ergebnissen moderner Hirnforschung heute noch größer geworden. Pädagogik ist Wissenschaft und berücksichtigt menschliche Beziehungen nicht, in denen wir leben und in denen unsere Energien wirken. Erziehung dagegen ist keine Wissenschaft, sondern eine Kunst. Darum spreche ich lieber von pfadfinderischer Erziehung als von Pädagogik. Handbücher für Pädagogik, in denen nicht steht, daß Erziehung geglückt ist, wenn Eltern ihren Kindern und Kinder ihren Eltern vergeben haben, berücksichtigen das Leben nicht und lassen schließen, dass der Verfasser in einem geschlossenen System denkt. Unser Leben aber ist offen.

Varsity of Life - Der BDP war mehr als ein Jungenbund.

Als ich 1961 zum Bundesfeldmeister gewählt wurde, war ich 31 Jahre alt und seit dem siebzehnten Lebensjahr Pfadfinder. Für mich war der BDP weder ein Sammelbecken für Jungen, die von Älteren betreut wurden, noch ein Jungenbund. Ein Jungenbund, der von Erwachsenen geleitet wird, ist ein Widerspruch in sich. Zusammen mit den anderen Erwachsenen des BDP mußte ich selbst darin auch vorkommen. Die Vorgabe war der Ausspruch, daß Pfadfinden "Varsity of Life" ist, Universität des Lebens, wie Rudyard Kipling sie in seinem Erziehungsroman "Kim" dargestellt hat. Sie unterscheidet sich von wissenschaftlicher Universität; denn Wissenschaft und Leben sind grundverschieden. Heute sage ich: Wissenschaft ist nicht Leben, sondern so etwas wie Buchhaltung von Leben. Wissenschaft versteht vom Leben so viel wie Buchhaltung vom Markt. Zu meiner Studienzeit nahmen deutsche Pädagogen Kiplings Roman "Kim" nicht als Erziehungsroman zur Kenntnis, sondern allenfalls als Abenteuerbuch.

Baden-Powell war ein erfolgreicher General (Generalleutnant) in der englischen Kolonialarmee, bevor er mit fünfzig Jahren sich der Pfadfinder annahm. Die Jungen fielen ihm damals zu, denn er war ihr Held und Vorbild. Weil es wenig über Baden-Powell in deutscher Sprache gab, war ich froh über die 1964 erschienene Biographie von William Hillcourt: Baden-Powell, the two lives of a hero". Bill Hillcourt hatte ich 1966 auf einer internationalen Pfadfinderkonferenz kennen gelernt und mit ihm gesprochen. (Zum Zeitpunkt des Vortrags kannte ich noch nicht die Biographie von Tim Jeal: Baden-Powell 1989.) Entsprechende Handbücher in englischer und detutscher Sprache hatte ich gelesen. Dazu kam Gedankenaustausch mit englischen, dänischen, holländischen und amerikanischen Pfadfindern. Viele und lange Gespräche führte ich mit Sukuru, der unter dem falschen Namen Hans Peters in Kiel gelebt hatte, bis die Bundesrepublik souverän wurde. Er hieß eigentlich Jaak Pootemanns, war aus Liebeskummer und als Katholik in die Waffen-SS Division Langemark eingetreten und hatte in einer Panzereinheit in Rußland und in Deutschland gekämpft. Da er nach der Kapitulation in Belgien zum Tode verurteilt worden war, mußte er unter falschem Namen leben. Sukuru war flämischer Pfadfinder und vermittelte uns Pfadfindertum aus erster Hand. Es gelang ihm, Jungen aus allen Bevölkerungsschichten zu gewinnen und bis in ihr Erwachsenendasein zu begleiten. In vielen Pfadfindergruppen waren Oberschüler. Sie grenzten sich durch ihr Verhalten als Schüler von Handwerkern häufig so ab, daß Handwerker sich aus solchen Gruppen nach und nach zurückzogen. Bei Sukurus Gruppen war das nicht der Fall.

Werkgesinnung

In den fünfziger Jahren besuchte ich ein Kirchbauseminar mit Künstlern und Theologen in Hoisbüttel und traf dort einen jungen Bildhauer, Curt Helm Pomp. Er war als Junge im BDP gewesen und lebte jahrelang in Lappland als Holzfäller und Landvermesser. Mit ihm schloß ich Freundschaft. Er erzählte mir, wie die Samen leben, mit Werkzeug und mit Gerät umgehen und wie sie Tusk erlebt hatten. So gewann ich als Kontrast zum Mythos von Tusk authentische Kunde von einem Naturvolk. Als ich 1961 Jugendpastor von Stormarn wurde, holte ich C.H. Pomp zu Kursen in Lichtensee, wo er mit der evangelischen Jugend und mit Pfadfindern arbeitete. Mir kam es darauf an, für das Leben brauchbar und materialgerecht zu arbeiten. In C. H. Pomp fand ich einen kompetenten Künstler, der Alternativen zu Kitsch und zu ideologisch orientiertem Werken bot. Wenn ein bekannter Fachmann für Werken im BDP Etuis für Füllhalter mit groben Nähten anbot, war das für mich nicht akzeptabel, weil die Dinger die Taschen kaputt machten. Als ich bei ihm einen Becher aus frischem Holz schnitzte, riß er nach einem Tag. C.H. Pomp konnte nach Lappenart aus frischem Holz Becher schnitzen, die nicht platzten, Als ich das Bundeslager 1962 in Noer vorbereitete, nahm ich das Nydamboot aus Schloß Gottorf als Lagersymbol. Es ist ein 26 Meter langes Holzboot aus der Zeit der Altsachsen um 300 gebaut. Seine Formen sind ästhetisch schön und zugleich zweckmäßig, wie man sie selten findet. Für mich war das Nydamboot Symbol für Gestaltungswillen, wie er mir vorschwebte. Das Nydamboot wurde Lagerabzeichen, und es war Kopf der Lagerzeitung. Alfred Mudra ließ eine Schrift im altdeutschen Stil entwerfen, wie er bei Wandervögeln und bei Nationalsozialisten üblich war. Dagegen setzte ich eine Vergrößerung in Schreibmaschinenschrift, mit welcher der Text gedruckt werden sollte, um eine einheitliche Typographie zu erhalten. Das schien mir dem Nydamboot eher zu entsprechen. Für das Bundeslager in Forchheim schuf C. H. Pomp ebenfalls das Lagerabzeichen, ein Schöpfrad, leitete eine Werkgilde und hämmerte mit ihr einen großen Gong, der mir später vom Bund auf meinen Wunsch als Abschiedsgeschenk überreicht wurde. Angebote der Versandhäuser waren damals in der Qualität oft ungenügend, wenn ich z. B. an die Fahrtenmesser denke, die eher Waffen und männliche Sexualsymbole darstellten, als daß sie Werkzeuge waren. Die Auswahl ließ zu wünschen übrig. Wir bemühten uns, die jeweils beste Ausrüstung auf dem Markt zu finden.

Beziehung zur Wirklichkeit

Pfadfinder spielen zu Recht, denn spielend lernen Menschen am meisten. Dabei war uns der Bezug zur Realität wichtig. Messer und Beil waren keine Waffen, sondern Handwerkzeuge. Sie sollten zweckmäßig und scharf sein. Das Fahrtenmesser war von der Hitlerjugend übernommen worden. Es glich eher einer Waffe als einem Werkzeug und entsprach damit jungenhafter Traumwelt. Infolgedessen spielten Jungen mit ihren Fahrtenmessern Messersteck im Sandboden. Dadurch waren die meisten Messer stumpf. Die Jungen sollten nun mit ihren Messern schnitzen. Mit stumpfen Messern ging das nicht. Also wurden Pfadfinder angeleitet, ihre Messer fachgerecht zu schärfen. Wer ein scharfes Messer brauchte, hörte nach dem Maß seiner Einsicht auf, es in den Sand zu werfen. Je mehr Pfadfinder sich der Wirklichkeit zuwandten, desto besser wurde ihre Ausrüstung. Das große Lagerbuch von Walter Scherf war mir hoch willkommen; denn hierin fand ich das Beste für ein Leben im Lager. Es erschien erst 1962

Pfadfinder im Sinne Baden-Powells

Als ich 1948 Pfadfinder wurde, lernte ich englisches Pfadfindertum kennen, weil englische Offiziere, die selbst Pfadfinder waren, uns halfen. Ich kam aus der Hitlerjugend und hatte von Jugendbewegung keine Ahnung. Ich wollte keine enge Beziehung zu ihr, weil auch sie auf Hitler hereingefallen war. Was aus diesen Kreisen kam, war mir zu romantisch, zu lebensfremd und verharmloste ihr Engagement in der Hitlerjugend. Werner Helwigs "Blaue Blume des Wandervogels" hatte ich gelesen. Seine Sicht war mir nicht nachahmenswert.

Lehrer aus der alten Jugendbewegung

In dem Werk von Ziemer-Wolf "Wandervogel und Freideutsche Jugend" fand ich eine ganz andere Sicht. Dort wurden Männer beschrieben, die heranreifend ihr Leben meisterten. Solche alten Jugendbewegten hatte ich inzwischen kennen und bewundern gelernt. Da war Walter Gerwig, der als Wandervogel mit der Klampfe umhergezogen war und daraus die Kunst des Lauteschlagens wiederentdeckte. Er wurde Professor an den Musikhochschulen in Hamburg und in Köln. Seine Einspielung der Lautensuiten von Bach zeugte von hoher Kunst. Von ihm lernte ich, Musik künstlerisch zu interpretieren. Max Jacob, der Hohensteiner Puppenspieler, hatte als Wandervogel seine Kasperlepuppen im Rucksack dabei gehabt und wurde ein Puppenspieler von europäischem Rang. Ihn lernte ich durch Walter Gerwig persönlich kennen. Theodor Warner kam aus dem Musikheim in Frankfurt an der Oder. Er war zu meiner Zeit Rektor der pädagogischen Hochschule in Flensburg. Er sprach mit mir, als ich dort Gitarre unterrichtete. Professor Jens Rohwer, Rektor der Musikhochschule in Lübeck, schrieb mir beim Essen am Tisch mit Bleistift einen Satz zu "Nun bitten wir den Heiligen Geist" als ich ihm erzählte, daß wir Pfadfinder in Hanerau einen Pfingstgottesdienst feiern wollten. Professor Bohne in Kiel, ein bedeutender Religionspädagoge, kam ebenfalls aus der alten Jugendbewegung. Ich studierte bei ihm. Sie alle hatten aus ihrem jugendbewegten Ansatz etwas gemacht, waren gereift und blieben nicht in einer Traumwelt stecken. Ölbermann von den Nerothern war für mich und für viele andere eine Witzfigur.

Ideologiekritik aus eigener Erfahrung

Durch meine Erlebnisse in der Hitlerjugend, durch eigene kritische Verarbeitung wie auch durch Schule und Studium war ich ideologiekritsch und ideologieresistent geworden. Das trennt mich von vielen Bündischen; denn diese waren immer noch Idealisten. O. F. Bollnows Buch "Vom Wesen und Wandel der Tugenden" half, und dann entwaffnete ich manchen, der das Fehlen von Idealen beklagte, mit der Bemerkung, daß Jesus und seine Jünger auch keine Ideale gehabt hätten. Der höchste Wert für Jesus waren nicht Ideale, sondern der lebendige Gott und der Nächste. Wer Ideale hat, hat keinen Nächsten. Der Nächste ist Superlativ von Beziehung. Es gibt kein Handbuch für Sozialarbeit, das den Nächsten erwähnt. Heute halte ich Beziehungslosigkeit für das größte soziale Problem. Nationalsozialisten hielten sich alle für Idealisten. Daß die Botschaft von Jesus mit Idealen und mit Ideologien unvereinbar ist, wissen viele immer noch nicht. Je mehr sich das Leben nach dem Krieg normalisierte desto restaurativer wurde die Gesellschaft. Meine ideologiekritische Haltung stand gegen den Trend der Zeit.

Die tägliche gute Tat

Das erste, was Menschen über Pfadfinder erfahren: Sie tun jeden Tag eine gute Tat. Baden-Powell, der Gründer der Pfadfinderbewegung, trug seinen Pfadfindern den "daily good turn" auf, die tägliche gute Tat, wie es etwas hochgestochen auf Deutsch heißt. Um sich daran zu erinnern, machten Pfadfinder einen Knoten an den Zipfeln ihres Halstuchs. Baden-Powell wußte, daß hohe Ziele unerreichbar sind, wollte Jungen damit nicht entmutigen, sondern setzte erreichbare kleine Ziele. Er sagte nicht, daß damit tatsächlich viel mehr als eine gute Tat erreicht wurde, aber gerade das ist entscheidend:

Menschen ändern sich nicht durch hohe Ziele, sondern gehen an ihnen oft zugrunde, oder sie werden zu Heuchlern. Aber Menschen ändern sich durch kleine Schritte. Jeder, der täglich eine gute Tat tut, macht einmal seine Augen auf für den Nächsten, wird wach und sensibel. Wer das täglich macht, ändert im Laufe eines längeren Zeitraums sein Verhalten, ohne daß es ihn überanstrengt. Am Ende werden aus einer täglichen guten Tat so viele, daß sich sein Verhalten geändert hat.

Die tägliche gute Tat des alten Baden-Powell hat sich in der Praxis nicht nur bei Pfadfindern bewährt. Aus Erfahrung wird in der Therapie von Alkoholikern keinem geglaubt, der schwört, er wolle nie wieder trinken. Alkoholiker, die ernsthaft an sich arbeiten, sagen: Ich bin süchtig - und ich bin heute trocken. So erreichen sie dauerhaften Therapieerfolg. Tatsache ist, daß Menschen sich nicht durch hohe Ideale verändern, sondern durch kleine Schritte. Musiker, zum Beispiel, werden vollkommen durch tägliches Üben. Ehe ein Pianist konzertreif wird, muß er Tausende von Stunden üben. Beim Üben konzentriert er sich auf den nächsten Schritt, auf die nächste Stunde, sonst schafft er es nicht. Ähnlich ist es mit Hochleistungssportlern. Begabung allein reicht nicht aus.

Idealisten bevorzugen hohe Ziele und verspotten Pfadfinder, indem sie fragen: Hast du heute schon deine gute Tat getan? Schlagfertig könnte ein Pfadfinder antworten: Ich habe sie soeben vollbracht, indem ich deiner arroganten Frage geduldig zugehört habe. Häufig ergeht er sich in langen, mühseligen Erklärungen und ist damit unterlegen.

Idealisten leben mit Scheuklappen. Wenn sie diese abnehmen, oder, was schlimmer ist, wenn sie ihnen abgenommen werden, erschrecken sie vor dem, was links und rechts von ihnen geschieht. Sie sind nicht gewöhnt, genau zu beobachten und geraten in Verwirrung, weil die beobachteten Tatsachen mit ihren Vorstellungen nicht übereinstimmen. So sehen sie lieber nicht hin, damit ihre Vorstellungen nicht geändert werden müssen. Idealistisch gesonnene Soldaten des zweiten Weltkriegs haben Verbrechen der Wehrmacht nicht gesehen, weil sie weg geschaut haben. Der Studentenbewegung Ende der sechziger Jahre ging es entsprechend. Als Ideologen sahen sie nicht, was sie anrichteten. Wenn sie wach werden, geraten einige von ihnen in eine tiefe Sinnkrise und wehren sich heftig. Idealisten und Ideologen sind nicht imstande, den Sinn der täglichen guten Tat, den Baden-Powell bescheiden "daily good turn" nannte, zu verstehen.

Wenn der arrogant Fragende, sich auf ein Gespräch einlassen würde, wäre viel gewonnen. In der Regel wird er es nicht tun; denn Arroganz ist nicht nur Dummheit, sondern auch Angst vor Neuem, vor einem Denken aufgrund von Erfahrung, von Versuch und Irrtum, das Idealisten und Ideologen nicht gelernt haben, sonst hätten sie kein Brett vor dem Kopf. Die tägliche gute Tat ist kein genialer Einfall. Die tägliche gute Tat kommt aus präziser Beobachtung menschlichen Verhaltens durch ein Genie, wie Baden-Powell es nun einmal war.

Impulse aus dem Jugendhof Barsbüttel

Eine weitere Quelle waren Seminare auf dem Jugendhof Barsbüttel bei Hamburg. Zwischen 1953 und 1957. Dort lernte ich bei Walter Gerwig nicht nur klassische Gitarre spielen, sondern Liedgetaltung nach künstlerischen Maßstäben. Wir tanzten dort sowohl deutsche Volkstänze als auch Tänze aus Israel und aus dem Balkan. So kam ich vom paarweisen Gesellschaftstanz zum Tanz mit der ganzen Gruppe und erlebte integrierendes Glücksgefühl des Gruppentanzes. Ähnlich wie beim Gruppensingen werden hier Endorphine freigesetzt, von denen man damals noch nichts wußte. Solches Singen und Tanzen war anders als in Schule und in anderer Pädagogik. Uns war wichtig: Es gab keine "Mauerblümchen" . niemand wurde ausgegrenzt.

Singen im BDP.

In vielen Jugendgruppen waren "Kilometerstein" und "Mundorgel" normative Liederbücher. Meine Freunde und ich lehnten diese ab, weil sie junge Menschen in die Sackgasse von Klamauk und von Schlager brachten und allgemeiner Grölerei Vorschub leisteten. Dann waren bündische Lieder voll von Traumwelten. Als Erwachsener mochte ich viele von diesen Liedern ebenso wenig singen wie "Alle meine Entchen". So suchten wir Lieder, die Wölflinge singen können, aber auch Erwachsene Typisch dafür waren das finnische Lied "Bin ja nur ein kleiner Hirtenjunge", von Goethe und Beethoven: "Marmotte" oder ungarische Lieder von Bela Bartok. Aus dem "Turm" sangen wir in sehr kritischer Auswahl, weil darin zu viel Ideologisches und Heldisches enthalten war. So hatten Bündische aus dem empfindsamen schwedischen Frühlingslied "Varwinda friska leka" ein Heldenlied gemacht. Die handgeschriebenen Texte und Noten des "Turm" waren für mich nicht werkgerecht. Der "Turm" war schwer lesbar und seine Herausgeber taten, als hätte es den Buchdruck nie gegeben. Lieder für uns fanden wir in Arbeitsliedern, in Gospelsongs und in Shanties aus der Zeit der Segelschiffe. Da auf Jugendhöfen in gemischten Chören vierstimmig gesungen wurde, lag deren Stimmführung im Sopran. So mußten wir für die jungen Männerstimmen der Pfadfinder gangbare Wege finden und bevorzugten einstimmiges Singen oder den dreistimmigen Satz. Dort liegt die Melodie in der Mittelstimme. Wir waren auf der Suche nach einem eigenen Liederbuch, machten Schallplatten, um zu zeigen, wie gesungen werden konnte, veranstalteten musische Wochenenden mit Singen, Spielen, Tanzen und Gitarrenlehrgänge mit Gerwig-Schülern. Zum Bundeslager an der Schmitburg kam Walter Gerwig auf meine Einladung und zeigte Pfadfindern in einer Werkgilde die Kunst des Lauteschlagens. Später hielt ich mit ihm einen Lautenlehrgang in Pinneberg, der sehr nachhaltig wirkte. Ich selbst arbeitete an einem Liederbuch. Als ich so weit war, hatte ich mein Amt niedergelegt. Der BDP wollte mein Liederbuch nicht herausgeben. Es kam 1974 mit dem Titel:"Gospels, Shanties & Folklore" bei der evangelischem Militärseelsorge heraus und erreichte in wenigen Jahren eine Auflage von 147.000 Exemplaren. Unser Singen unterschied sich bewußt vom Singen in der Schule und in der Jugendmusikbewegung. Wir bemühten uns um gutes Singen, aber wir sangen nicht nach Noten und nach Büchern, sondern auswendig wie unsere Vorfahren. Am Lagerfeuer nach Noten zu singen, war für uns unvorstellbar. Verschultes Singen führt nicht zu lebendigem Singen und zu der erwünschten Begeisterung. Wir nahmen unser Singen ernst und wählten deshalb unsere Lieder sorgfältig aus. Helmut Deutschmann, mein persönlicher und zuverlässiger Freund, Landesfeldmeister von Schleswig-Holstein, hatte Schulmusik studiert, spielte Klavier und wurde ein hervorragender Chorleiter. Er und ich waren uns im Musikalischen einig. Dadurch hatte ich einen starken Rückhalt.

Weil Pfadfinder kein Geld hatten, vereinbarte ich mit Dr. Wüllenweber, dem Leiter des Jugendhofs Barsbüttel, daß Pfadfinder dort Malerarbeiten verrichten würden gegen Unterkunft, Verpflegung und Unterricht im Gitarrespiel und Singen. Es wurde eine tolle Zeit mit den Jungen und mit Eike Funck, dem Musikerzieher, der später Professor für Laute und Schulmusik an der Musikhochschule Hamburg wurde. Es gab Tadel, weil die Jungen die Farbe nicht nur an die Wände malten, sondern sich auch gegenseitig damit beschmierten. Aber Professor Siewers von der Studienstiftung des deutschen Volkes gefielen unsere Pfadfinder, weil sie für ihn besser in einen Jugendhof paßten als Verbandsfunktionäre.

Teamarbeit und Menschenwürde

Bei meinem Bemühen um Baden-Powell sah ich, daß er Verwahrlosung und Vermassung beim Militär entgegen wirkte, in dem er kleine Gruppen bilden ließ mit Aufgaben in eigener Verantwortung. Er war damit seiner Zeit weit voraus. (Wie die Bundeswehr ihre Rekruten in den sechziger und siebziger Jahren verwahrlosen ließ, und niemand in Deutschland sich darum kümmerte, habe ich als Militärseelsorger direkt und schamvoll miterlebt.). Baden-Powells Werk "Aids to Scouting" war für Soldaten gedacht. Bei Pfadfindern ließ er später Gruppen zu sieben bilden, in denen jeder seine feste Aufgabe hatte und sie auch durchführte. Der Sanitäter hatte Verbandsmaterial bei sich, war in erster Hilfe ausgebildet und konnte mit Verletzungen umgehen. Der Koch konnte wirklich kochen und sein Assistent kannte sich aus mit Brennholz und mit Feuermachen. Das Essen wurde auch bei feuchtem Wetter rechtzeitig gar. Der Materialwart konnte Messer und Beile schärfen, mit Zelten umgehen und sie entsprechend warten. Der Zeremonienmeister kannte sich mit Liedern aus, spielte meistens ein Instrument und bereitete Feiern vor. Der Chronist führte das Tagebuch. Ebenso hatten der Sippenführer und sein Stellvertreter Aufgaben, die sich aus der Gruppenpraxis ergaben.

Delegation von Verantwortung gab dem Einzelnen Würde. Er war kein Sandkorn im Haufen, sondern hatte eine Aufgabe. Bei meinem Amtsantritt beschrieb ich dieses Programm in der Rede: "Der Bund Deutscher Pfadfinder verwirklicht das Sippensystem", veröffentlicht in Briefe Nr. 63/1961. In der Evangelischen Jugend und in anderen Organisationen vermißte ich diese Durchstrukturierung. Ich empfand es als großes Kompliment, als beim Besuch des Bundeslagers 1962 in Noer der schleswig-holsteinische Landesbischof, D. Wilhelm Halfmann, zu mir sagte: "Mir fällt auf, daß sich niemand hier langweilt". Damals gab es in deutscher Pädagogik nirgendwo Teamarbeit. Die Bedeutung der kleinen Gruppe wurde erst fünfzig Jahre nach Baden-Powell von Sozialpsychologen wie Hofstätter gewürdigt und in dem rde-Band Gruppendynamik einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Im Fernsehen gab es etwas später die Sendung "Menschen im Betrieb". Ich freute mich über diese wissenschaftliche Bestätigung unseres Bemühens. Im deutschen Geistesleben herrschte wieder zunehmend Humanismus. Der berühmte Soziologe Tönnies war bis zur Unterscheidung von Individuum und Gesellschaft vorgedrungen. Er war im humanistischen Denken befangen und sah weder das Du noch die Gruppe.

Die Bedeutung der Beziehungsebene

1923 hatte der Jude Martin Buber sein Buch "Ich und Du" veröffentlicht Er unterschied das Grundwort Ich-DU vom Grundwort Ich-Es. Im Grundwort Ich-Du ist Leben. Im Grundwort Ich-es wird nur reflektiert. Bubers Sprache ist einmalig schön. Die Auflage betrug über einhunderttausend, aber die vielen hochgebildeten Leser haben Buber anscheinend nicht verstanden. Sie denken in Prinzipien und sehen Beziehungen nicht. Humanistisches Denken steckt seit vielen Jahrhunderten so tief in deutschen Gehirnen, daß sie Buber, Baden-Powell und Jesus nicht verstehen. Jesus wird "Nächstenliebe" unterstellt. Er hat davon nie gesprochen und sie auch nicht gemeint. Nächstenliebe ist wie Rettungsschwimmen eine erlernbare Tugend. Das Gebot: Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst ist etwas völlig anderes.

Daß Beziehungen wichtig sind, wußte ich damals gefühlsmäßig. In meinen Reden und Aufsätzen hatte ich wiederholt auf die Bedeutung des "Nächsten" hingewiesen und darauf, daß der Bund durch Freundschaft zusammen gehalten wird. Rational half mir Gisela Konopka, eine Schülerin Kurt Lewins, des Begründers der Gruppendynamik und der Gestaltpsychologie. Sie war Professorin in den USA und hatte das Buch geschrieben "Social groupwork, a helping process". Von ihr erfuhr ich in England durch einen japanischen Pfadfinder, der bei ihr studiert hatte, und besuchte einen dreiwöchigen Kurs bei ihr in der Victor-Gollancz-Akademie. Durch sie lernte ich Erik Erikson kennen und hatte sein Werk "Kindheit und Gesellschaft" gründlich durchgearbeitet. So gewann ich eine theoretische Begründung für meinen Ansatz. Der aber kam im BDP nicht mehr zum Tragen. Mir wurde ein Amt in der Victor-Gollancz-Akademie angeboten. Dafür hatte ich als Ehrenamtlicher keine Zeit und schlug Dr. Peter Pott vor, meinen persönlichen Referenten, von dem ich annahm, daß er in meinem Sinne arbeiten würde. Ich hatte ihm mehrere Wege für einen guten Start frei gemacht. Daß er Neomarxist werden würde, war damals nicht zu erkennen. Auffällig war, daß er in Verfolgung seiner Ziele rücksichtslos war. So zog sich Uwe Rohrmann enttäuscht zurück, nachdem Dr. Pott sein Amt angetreten hatte. Dr. Pott und ich hatten während des Studiums 1959 zusammen gesegelt und uns viel miteinander ausgetauscht.

Der Starke hilft dem Schwachen.

Seit Beginn meiner Pfadfinderzeit gefiel mir bei Baden-Powell besonders der Grundsatz: "der Starke hilft dem Schwachen". Symbolisiert wurde er durch den Pfadfindergruß. Die erhobene rechte Hand legt dazu den Daumen auf den kleinen Finger. Daß der Starke den Schwachen schützt, gab es in der Hitlerjugend nicht und auch nicht im Verhalten von Jugendlichen in Schule und Freizeit. Mein geistig behinderter älterer Bruder wurde in seiner Kindheit von anderen grausam gequält, und ich stand als jüngerer hilflos und mit sehr zwiespältigen Gefühlen dabei. So wurde für mich persönlich dieser Grundsatz wichtig. In der Bruderschaft aller Pfadfinder erlebte die erste Generation von deutschen Pfadfindern nach dem Krieg, wie sie vorbehaltlos in die internationale Pfadfinderbruderschaft aufgenommen wurden.

Freundschaft als treibende Kraft des Bundes.

Der Antrieb unseres Bundes war Freundschaft. Wir hatten zwar eine anthropologisch richtige Erziehung im Gegensatz zu ideologischen Konzepten, aber wir waren arm wie Kirchenmäuse. Freundschaft war unser Kapital. So habe ich mich bemüht, nicht mit Majorisierung oder mit Druck zu führen, sondern mit Einsicht und mit vernünftigen Argumenten. Später lernte ich von Hirnforschern, daß menschliche Energien in Beziehungen liegen. Ohne sie sind Prinzipien und Ideale tot wie Einkaufsstraßen um Mitternacht.

Führen durch Kompetenz

Im BDP sahen wir charismatische Führer kritisch, weil sie bei Schwierigkeiten in's Ideologische abdrifteten. Sie waren häufig auch zu faul zum Lernen. So forderten wir Kompetenz durch Führerausbildung. Einfaches Beispiel, Kompetenz eindrucksvoll zu demonstrieren war Kohtenaufbau nach der "Methode Judo". Judo, ein hessischer Pfadfinder, war Architekt und hatte sich mit Arbeitsvereinfachung befaßt. Er erfand eine Methode für rationellen Kothenaufbau, indem er drei Pfadfinder an einer Kothe gleichzeitig alle erforderlichen Handgriffe in zweckmäßiger Reihenfolge verrichten ließ, so daß die Kothe in kürzester Zeit stand. Judos Methode wurde zuerst in einem Feldmeisterlager in Geretsried angewandt. Die Teilnehmer waren mit einer gewissen Voreingenommenheit gegen die Lagermannschaft gekommen, weil sie selber in ihrer Gruppe etwas darstellten und nun wieder Lernende waren. Den Teilnehmern wurde anstelle einer Rede über den Sinn der Ausbildung die Aufgabe gestellt, eine Kothe aufzubauen, in der sie während des B-Lagers leben sollten. Mit dabei waren Mitglieder der Lagermannschaft. Sie beherrschten Judos Methode und waren in vier Minuten fertig. Die anderen brauchten eine Viertelstunde und länger. Das Ergebnis sprach für sich. Um Autorität brauchte nicht mehr gerungen zu werden.

Pfadfindertechnik lebensnah.

Pfadfinder haben den Spitznamen "Knötchenpuhler". Knoten und Bindungen stammen aus der Seemannschaft. Jeder Segler muß sich mit Knoten auskennen, aber im Binnenland wird wenig gesegelt und im Winter schon gar nicht. Da kam Siegfried Grommek, Pfadfinder aus Büchen, mit selbstgebauten Kanus aus Weiden- und Faulbaumzweigen zusammengebunden. Sie wurden mit Segeltuch bespannt und mit Chlorkautschuckfarbe abgedichtet. Die Kosten waren so niedrig, daß jede Sippe sich solch ein Kanu leisten konnte. Alles, was Jungen über Bindungen gelernt hatten, konnten sie hier anwenden. Im Bundeslager Forchheim 1966 sah der BDP die Kanus zum ersten Mal in größerer Stückzahl schwimmen.

Spielend lernen

Von schwedischen Pfadfindern brachte Dr. Heinz Stettner den Hajk mit, ein Aufgabenlauf, bei dem Sippen selbständig Aufgaben zu lösen hatten, ohne daß deren Lösung von der Mannschaft vorbereitet worden war. Die Lösung war offen. Das machte den Hajk zum Abenteuer. Moritz von Engelhardt achtete sehr penibel auf Methodenreinheit. Hajks gehörten zum festen Programm der Ausbildung. Moritz von Engelhardt und seine Freunde brachten aus Bündheim ein Konzept mit, das sie in drei Worte faßten: Leistung, Erlebnis, Spiel. Tatsache ist, daß Erlebnispädagogik des BDP später auch in wissenschaftlicher Pädagogik ihren Niederschlag fand. Spielendes Lernen wie es bei Wölflingen und Pfadfindern seit B.-P.s Zeiten Brauch war, wurde von Erwachsenen lange nicht ernst genommen. Dabei läßt Gott seine ganze Schöpfung spielend lernen - nur wir Menschen büffeln.

4. Welt-Training-Konferenz vom 5. - 10. 9. 1966 in Gilwellpark.

Im Anschluß an einen "Training the team Course" in Gilwellpark vertrat ich den Bund auf der Welt-Training Konferenz. Anwesend waren 120 Delegierte aus 40 Nationen. Ich reichte einen Vortrag ein mit dem Thema "New methods of training Troop and Group Leaders". Er wurde in die Tagesordnung aufgenommen. Meines Wissens war ich der erste Deutsche, der auf einer solchen Konferenz einen Vortrag hielt. In dem Vortrag stellte ich Einübung in Teamfähigkeit in den Mittelpunkt unserer Ausbildung und gab Beispiele wie Aufgabenspiele, die Phantasie anregen, Judos Kothenaufbau, Organisationsspiele, Hajk, Projektplanung, das Bauhüttenkonzept von Martin Luserke, Gruppentänze, einen Elternabend, einen Gästeempfang während des Ausbildungslagers. Welchen Eindruck der Vortrag hinterlassen hatte, kann ich schwer sagen, weil viele Delegierte sich nicht in unsere Entwicklung hineindenken konnten. Einige waren zu sehr im alten Pfadfinderformalismus verhaftet, der uns in Deutschland das Etikett Scoutismus gebracht hatte. Bei anderen, und hier besonders in Canada, war Anfang der sechziger Jahre ein Umbruch eingetreten. 1963 war im United Kingdom die Advance Party vom Chief-Scout einberufen worden. Jedes Mitglied war nicht älter als 45 Jahre. Dieser Report wurde auf der Welt-Trainings-Konferenz vorgestellt.

Defizite

Führen durch Einsicht, Argumentation und mittels Freundschaft hat Grenzen. Der BDP war auch eine politische Größe, in der Interessen miteinander kämpften. Zum Politischen gehört: Wille zur Macht. Niemand lehrte damals, mit Macht umzugehen. Für Humanisten wie Carl Jacob Burkhardt war Macht an sich böse. Auch fehlte Ausbildung zum konstruktiven Umgang mit Konflikten. Konrad Lorenz' Buch: "Das sogenannte Böse" war gerade erschienen und von den Lesern noch nicht verdaut worden. C. F. von Weizsäckers Studie zur Machtbegrenzung "Wege in der Gefahr" erschien erst 1971. Damals hatte ich eine Ahnung, daß Macht notwendig ist, aber süchtig macht.

Ebenso hilflos wie im Umgang mit Macht waren wir im Umgang mit Sexualität. Die Pille und einfache Verhütungsmittel haben später eine sexuelle Befreiung hervorgebracht, von der wir damals nur träumen konnten. Anerkannte Pädagogen waren hier so hilflos und so verklemmt wie wir selbst . Uns blieb Sublimierung in Geborgenheit der Gruppe mit allem Schönen an Erlebnissen. Aber mit Frauen haben wir im BDP nicht umgehen gelernt, und das hat manchem geschadet. Das Defizit haben wir wohl empfunden, aber wir wußten wie alle anderen keine Abhilfe. Uns hätte gut getan, wenn pädagogische Autoritäten ihre Hilflosigkeit eingestanden hätten anstatt kluge Sprüche zu machen.

Damals wurden Homosexuelle kriminalisiert. Aufgehoben wurde dieser Zustand erst mit der Justizreform 1972. Unter Pfadfindern herrschte große Angst vor dem Vorwurf der Homosexualität und dessen Folgen. Die Staatsanwälte verhörten die Jungen so, daß die Gruppen zu bestehen aufhörten. Infolgedessen wurden erkannte Homosexuelle gemieden wie die Pest. Vielen von uns war klar, daß diese keine Verbrecher waren. Aber, was sollten wir tun?

Zum Schluß

Von vielen Pfadfindern hörte ich später, daß ihre Gruppe ihnen entscheidende Impulse für ihr weiteres Leben gegeben hat. Andere sagten: Ohne Pfadfinder wären sie in's Kriminelle abgerutscht. Eine Mutter erzählte mir, daß ihr Junge nach der Großfahrt ordentlich mit seinen Sachen umging, was er vorher nie getan hatte. Für mich selbst und für viele meiner Gefährten war die Gruppe Ausgleich für den fehlenden Vater. In meinem Stamm in Uetersen hatten die meisten Jungen ihre Väter verloren. Pfadfinden war tatsächlich "Varsity of Life".

Meine Freunde und ich hatten gute Konzepte aber zu wenig Rückhalt in einer restaurativen Gesellschaft. Es fehlten Ältere, die im BDP aufgewachsen, helfen konnten. Viele Pfadfinder, auf die ich Hoffnung setzte, waren mit Berufsfindung und mit Familiengründung absorbiert und nicht ansprechbar. Ich hatte mich zu weit aus dem Fenster gelehnt und die Seemannsregel nicht beachtet: "One hand for the man and one hand for the ship". Als die ersten Machtkämpfe ausbrachen, stand ich allein. Das Büro war nicht mehr in meiner Dienststelle. Es fehlte der tägliche Kontakt. Moritz von Engelhardt war ausgeschieden. Anders als er war Dr. Peter Pott mir keine Hilfe. Meine späten Anregungen kamen nicht mehr zum Tragen.

Kampf der Neomarxisten richtete sich nicht gegen Reaktionäre, sondern gegen Reformwillige, die als "Scheißliberale" beschimpft wurden. Vor 1933 hatten Kommunisten und Nazis gemeinsam demokratische Ansätze zerschlagen. Ähnlich war die Szene um 1968. In kleinen Schritten hatte der BDP Demokratie im westlichen Sinne gelernt, aber er war schwach. Folgerichtig schlug die APO hier zuerst zu, denn sie wollte nicht Demokratie, sondern Diktatur marxistischer Studenten. Ich hatte nicht erwartet, daß Studenten so ideologieanfällig werden konnten. Anders als meine Generation hatten sie Ideologie und deren Gefahren samt ihren verheerenden Folgen nicht an sich selbst erlebt. Mir fällt dazu ein ukrainisches Sprichwort ein, das Konrad Lorenz zitiert: "Wenn die Fahne weht, ist der Verstand in der Trompete". Ich litt schwer darunter und freue mich, daß es wieder Pfadfindergruppen gibt.

(2003)

Ich habe bewußt diese vom BFM Jochen Senft verfaßte Publikation hier auf meiner HP eingestellt: Da die meisten Jochen S. nicht persönlich kannten -können diese sich jedoch ein Bild von unserem ehemaligen Bundesführer machen....
Weitere Publikationen u.Bücher sind im Spurbuch-Verlag erhältlich!



"Vergesst auch nicht, dass der Pfadfinder nicht nur ein Freund der Mitmenschen seiner engsten Umgebung ist, sondern ein Freund zu allen Menschen auf der Welt. Freunde bekämpfen einander nicht. Wenn wir mit unseren Nachbarn in fremden Ländern und Übersee Freundschaft schließen und wenn sie unsere Freundschaft erwidern, so werden wir nicht das Verlangen haben, gegen sie zu kämpfen. Das ist bei weitem die beste Methode, um künftige Kriege zu verhindern und einen dauerhaften Frieden zu sichern." (BiPi)
Allein sind diese Argumente so wichtig-daß Pfadfinder in aller Welt  echte Verständige für Freundschaft und Toleranz für den Weltfrieden sind! (Kris) 
 



 











 
 

 

 
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